Rezension


Europa und die EU in Politischen Geographien

Politische Geographien Europas

Der Einbezug der Dimension Macht in wissenschaftliche Analysen sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dass Macht und Herrschaft in der deutschsprachigen Humangeographie oft ausgeblendet werden, belegt die Abteilung "Politische Geographie" innerhalb dieser Wissenschaft. Dieser Zweig definiert sich nämlich ausdrücklich als der Bereich innerhalb der Geographie, der Macht und Politik gegenüber nicht blind ist.

Band 1 der Reihe "Forum Politische Geographie" beschäftigt sich mit Europa unter politisch-geographischer Perspektive. Dabei geht es - wie könnte es anders sein - auch um die Europäische Union. Hier wird sie auch mal kritisch analysiert, beispielsweise hinsichtlich der Geopolitik, die hinter den Erweiterungen steckt.

Bei der Konkretisierung der abstrakten Kritik an deutschen Großmachtphantasien, naturdeterministischen Argumentationsmustern und den Weltmachtambitionen der EU hapert es jedoch ein wenig. Der Krieg zur Zerschlagung Jugoslawiens auf deutsches Drängen Ende der 1990er und der Krieg in Afghanistan werden entgegen der Theorie im Eingangsbeitrag als "Friedensmissionen" dargestellt. Trotz solcher Schwächen blickt der Sammelband kritischer auf den Themenkomplex Europa als viele andere Publikationen.


Politische Geographien Europas
Paul Reuber (Hrsg.)
Anke Strüver (Hrsg.)
Günter Wolkersdorfer (Hrsg.)
Politische Geographien Europas
Annäherungen an ein umstrittenes Konzept
LIT 2005
206 Seiten, broschiert
EAN 978-3825865238
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