Rezension


Katze auf Abwegen

Katze hasst Welt

Ein programmatischer Titel, dem man an manchen Herbsttagen gerne bereit ist zuzustimmen, auch wenn man weder ein Panda noch eine Katze ist. Panda und Katze haben sich nämlich verliebt, aber dann wieder getrennt. Und jetzt spricht die ganze Stadt darüber. Alle wollen sich einmischen, dabei geht das doch wirklich nur die beiden etwas an, oder?

Moderne Fabel in Schwarz/Weiß

In reduzierten, aber sehr anschaulichen Bildern zeigt Kathrin Klingner, was Katze an dieser Welt so hasst. Nicht nur gescheiterte Beziehungen, sondern vielmehr die vielen "guten" Ratschläge des lieben Freundeskreises, denn alle geben ihren Senf dazu, obwohl Katze sie gar nicht gefragt hat. Auch die anderen Protagonistinnen der hier vorliegenden liebevoll gekennzeichneten Fabel sind natürlich Tiere, das heißt, es spielen neben Katze und Panda, auch noch Fuchs, Maus, Teddybären und sogar Tintenfische eine Rolle. Als Katze dann auf dem Hamburger Kiez zu arbeiten und dort in einem Café ohne Namen Latte aufzuschäumen beginnt, lernt sie eine Menge anderer Leute oder besser gesagt Tiere kennen: das lindert ihren Weltschmerz. Denn sowohl die Arbeit als auch das Unter-Menschen-oder-seinesgleichen-zu-sein sorgt dafür, sich selbst und seinen Liebeskummer kurzfristig begraben zu können. Bis man eben so müde ist, dass man einfach ins Bett fällt.

Selbstermächtigung einer Katze

Zwischendurch geht Katze aber immer mal wieder in den Scream-O-Mat, das ist ein kleiner dunkler Raum, gebaut wie eine Telefonzelle, in den man einfach hineingehen kann, wenn man mal Lust hat laut zu schreien. Und das kann in einer Großstadt wie Hamburg oder Berlin durchaus öfter der Fall sein. Denn Katze zieht auch mal um, in die Hauptstadt, und dort findet sie neue Kolleginnen und Kollegen an der Kunsthochschule. Eine davon hat unter dem Profilfoto "Neue Tabletten" stehen und sie glänzt tatsächlich wie ein neuer Euro. Andere sind auch nach dem zweiten Jahr immer noch da oder werden ins Kunstdepartment versetzt. "I make your Jeans vibrate like a Nokia" steht auf einem Transparent, das die Studentinnen bei einer Demonstration vor sich hertragen. Nicht jeder gehört eben hierhin. Aber man muss sich wohl selbst einen Platz schaffen und sich selbst ermächtigen. So wie Katze. Die die Welt jetzt vielleicht etwas weniger hasst.


von Juergen Weber 14. November 2017 Short URL https://goo.gl/sJ7KAs
Kathrin Klingner (Illustration)
Katze hasst Welt
Reprodukt 2016
96 Seiten, broschiert
EAN 978-3956400865
Copyright 2018 by rezensionen.ch