Rezension


Wie es zur "unternehmerischen Stadt" Frankfurt am Main gekommen ist

Genealogie und Gegenwart der "unternehmerischen Stadt"

Obdachlose werden aus der Innenstadt vertrieben, Menschen aus ihren Vierteln verdrängt und auch Krankenhäuser müssen scheinbar Gewinn abwerfen. Stadtregierungen sehen sich dem globalen Wettbewerb ausgesetzt, Städte nehmen mehr und mehr unternehmerischen Charakter an. Doch wie konnte es dazu kommen? Der Autor Schipper geht dieser Frage in seiner Dissertation nach und untersucht den Fall Frankfurt am Main.

Die kritische Schrift macht sich eine formanalytisch reformulierte Regulationstheorie und ein materialistisches Staatsverständnis zur Basis, um eine politische Theorie des Kapitalismus zu umreißen. Ergänzt wird dies um Governmentality Studies im Anschluss an Foucault, um den Einfluss der herrschenden Diskurse angemessen zu berücksichtigen. Im empirischen Teil geht der Autor diskursanalytisch vor und untersucht, wie sich die neoliberale Ideologie diskursiv durchsetzen konnte und schließlich als nahezu alternativlos gilt. Schipper geht dabei bis in die 1960er zurück, analysiert unter anderem Sitzungsprotokolle von Stadtverordnetenversammlungen sowie Zeitungsberichte und führte ExpertInneninterviews. Somit ist die Arbeit sowohl reich an empirischem Material als auch theoretisch sehr fundiert und anspruchsvoll.


Genealogie und Gegenwart der "unternehmerischen Stadt"
Sebastian Schipper
Genealogie und Gegenwart der "unternehmerischen Stadt"
Neoliberales Regieren in Frankfurt am Main 1960-2010
Westfälisches Dampfboot 2013
415 Seiten, broschiert
EAN 978-3896919366
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