Rezension


David Adjaye: Zwischen Architektur und Kunst

David Adjaye Häuser

"You've gotta be a showman. You can't just do your work. You've got to put it out there." Der 39 jährige in London tätige Architekt David Adjaye wird als das grosse Talent der englischen Architekturszene gefeiert. Seine Bauten operieren an der Grenze von Kunst und Architektur, spielen mit Kontrasten und setzen dabei auf eine sinnliche wie auch konzeptionelle Wirkung. Das Thema seiner bisherigen Entwürfe kreist um das Recyclen von Altbauten, deren Umgestaltung und das neu Überdenken von Wohn- und Ausstellungsräumen. Eine spezifische Handschrift tragen seine Projekte nicht, jedes greift andere konzeptionelle Ansätze auf und entwickelt diese zu einer kohärenten Lösung. Der ungewöhnliche Umgang mit den Materialien zeigt die innovative Kraft des Shooting Stars.

Im Mittelpunkt dieser Monografie befinden sich die in London realisierten Wohn- und Atelierbauten. Es sind dies die kleinmassstäblichen Bauten, die vor seinem wahrscheinlichen Durchbruch auf internationaler Ebene stehen. Dank seinen guten Kontakten zur Londoner Kunstszene liest sich seine bisherige Klientenliste imposant: Chris Ofili, Ewan McGregor, Alexander McQueen, Jürgen Teller, Melanie Swarovski, usw. Wer nun aufgrund seiner illustren Klientel vermutet, dass seine Bauten zwangsläufig die Produkte einer inszenierten Ästhetik sind, sieht sich getäuscht. Es steht vielmehr eine pluralistische Auffassung von Architektur im Vordergrund, die gleichermassen die Sinne wie auch den Geist anzusprechen vermag. Der erste Eindruck darf durchaus irritieren, beim genaueren Hinsehen und Verstehen wandelt er sich in Faszination.

Insgesamt werden dreizehn Häuser vorgestellt, ergänzt durch ein Portfolio seiner Möbelentwürfe und durch fünf Essays über das Architekturverständnis von David Adjaye. Die Objekte werden übersichtlich und mit allen zum Verständnis notwendigen Planunterlagen (Grundrisse, Schnitte, Fassaden) präsentiert. Daneben findet sich jeweils eine bearbeitete Luftaufnahme, die als Situation dient und einige Ideenskizzen mit konzeptuellem Charakter als Einleitung. Kleine Texte bringen Hintergrundinformationen ein und unterstützen die grafischen Elemente. Mittels Detailzeichnungen wird die Konstruktionsart fassbar gemacht. Abgerundet werden die Objektvorstellungen durch Abbildungen von Aussen- wie auch Innenräumen, auf denen es eine Vielzahl von sorgfältigen und feinfühligen Details zu entdecken gibt, die das Können des Gestalters unterstreichen. Auf welche Art seine Häuser Interesse zu wecken vermögen, zeigt beispielsweise das "Elektra House". Das Erscheinungsbild auf der Seite der Strassenfassade ist vollständig geschlossen und dunkel, auf der Rückseite wandelt es sich dann aber Dank einer curtain wall zu einer wahren Lichtbox. Innenräumlich erzeugt der Verzicht auf übliche Fenster einen unkonventionellen Umgang mit der Lichtführung, um nur einen Aspekt zu nennen.

David Adjayes Häuser erschliessen sich einem nicht im ersten Moment der Betrachtung. Sie sind auch nicht das, was man wohl gemeinläufig als "schön" bezeichnen würde. Es sind sensibel ins Stadtgefüge eingepasste Exoten, die durch ihre eigene, selbstbewusste Art eine Reaktion beim Betrachter auslösen. Einen neugierigen Blick auf diese Häuser zu werfen, kann man sich da wohl kaum verwehren.


David Adjaye Häuser
Peter Allison (Hrsg.)
David Adjaye Häuser
Niggli 2005
255 Seiten, gebunden
EAN 978-3721205428
zahlreiche teils farbige Abbildungen
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