Rezension


Auf eine Pizza mit dem Clown

Batman. Der dunkle Prinz

"Hallo? Ist da jemand? Mama, wo bist du? Mama?", lauten die ersten Worte dieser düsteren, epischen vom Film Noir beeinflussten Graphic Novel mit denen klar wird, dass dieser Batman aus dem Herzen Europas stammt. Denn wo sonst ist die Mama so wichtig wie in Italien, zu der jener Teil der Schweiz kulturell gehört, aus der der Schöpfer dieser beeindruckenden Geschichte kommt. Ein europäischer Batman aus der Schweiz, wer hat sich das nicht schon lange gewünscht? Enrico Marini ("Gipsy", "Der Skorpion" und "Die Adler Roms") selbst nennt seinen Beitrag zum von Bob Kane mit Bill Finger geschaffenen Mythos "Crime Noir", denn tatsächlich orientieren sich seine Story und seine Zeichnungen am Film Noir resp. den in den 40er-Jahren geschriebenen Crime Storys von Dashiel Hammet, Raymond Chandler und Mickey Spillane. Eine Neuinterpretation des Mythos, die schon lange fällig war.

Batman als Italo-Europäer

Auch wenn man sich zu Beginn stark an die geniale Verfilmung von Christopher Nolan erinnert fühlt (Überfall in einer Bank), wird doch schnell Marinis europäische Handschrift sichtbar, wenn Batman etwa auf einem Gargoyle eines Wolkenkratzers stehend in eine Schlucht Gotham Citys blickt und sich über sein Antonym, Joker, Gedanken macht. Mit einem akrobatischen Sprung und eine Peitsche schwingend bringt sich auch Catwoman in dieses Abenteuer ein und beweist gute Figur, denn sie beherrscht den Luft-Spagat ebenso wie den Motorrad-Hauben-Flug exzellent. Der Aufhänger für den Überfall ist übrigens gut gewählt: Harley Quinn, Jokers Angetraute, hat Geburtstag und er will ihr diesmal ein ganz besonderes Geschenk machen: eine Halskette. Auch wenn der Joker den Ausdruck "Ihr seid gefeuert" allzu wörtlich nimmt, und alsbald ohne Mannschaft dasteht, will er doch Harleys Geburtstagswunsch erfüllen. Sie nennt ihn übrigens "Pupsie". Der Joker scheint also tatsächlich Humor zu haben.

Pizza mit dem Pagliaccio

Doch dann tauchen auch noch andere Charaktere aus der Vergangenheit auf. Mariah Shelley etwa, die behauptet, von Bruce Wayne eine Tochter, Alina, zu haben und ihn nun deswegen erpresst. Als der Joker davon Wind bekommt, entführt er sie und teilt sich mit ihr eine Pizza Pagliaccio, eine Clown-Pizza, die ihn so redselig macht, dass er der Kleinen auch sein Psychodrama mit auftischt. Batman ist in der Zwischenzeit mit einem erstarkten Killer Croc beschäftigt, aber durch seine Wut und Vaterschaft beflügelt, entwickelt er Superkräfte und nicht einmal der Joker wird ihn jetzt stoppen können.

Als Special ist in vorliegendem Band auch ein Interview mit dem Schöpfer des neuen Batman-Mythos, Enrico Marini, abgedruckt, das seine Einflüsse vom frankobelgischen Comic, den japanischen Mangas und Comics aus Südamerika und Amerika offenlegt. Aber auch Manara ist Marini anzusehen. Marini schreibt und koloriert seine Comics lieber selbst und nennt diesen Prozess Couleur Directe. Er erzählt auch von den TV-Serien, die ihn beeinflusst haben, darunter Game of Thrones, Vikings, Sopranos, Deadwoo, Gotham und Daredevil. Das Interview entstand übrigens während der Vorbereitung zu Band 2, der demnächst bei Panini erscheinen wird.


Enrico Marini (Illustration)
Monja Reichert (Übersetzung)
Batman. Der dunkle Prinz
Panini Comics 2018
Originalsprache: Englisch
76 Seiten, gebunden
EAN 978-3741607332
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